Click to show pictures in full size.

Nachdem wir uns vom Hausboot mit einer Rikscha zum Bahnhof Alleppey haben bringen lassen, warteten wir auf den fast express Zug Sampark Kranti mit der Zugnummer 12217, welcher immer Samstags zwischen Kochuveli und dem 3000 km entfernten Chandigar verkehrt.

Laut Fahrplan sollte dieser Alleppey um 11:20 erreichen, aber es wurde schon über dieÜberall aussen an den Waggons, hängen diese Reservierungspläne, anders wie in Deutschland, wo die Plätze einzeln markiert werden.Reservierungsplan am Abteil Lautsprecher eine Verspätung von 20 Minuten angegeben. Naja was soll's, wir hams ja eh nicht so eilig. Als wir so warteten, hatten wir uns das Ticket nochmal genauer angeschaut und komisch war, das zwar irgendwie das Abteil und die Sitzplätze angeben waren, aber nicht mit der Legende übereinstimmten und so machte sich Andy auf zum Touristenschalter um das klären zu lassen. Nachdem oben auf dem Ticket gross Reservierung stand, habe ich das nicht für ernst genommen, da die Reservierungen an den Zügen aussen nochmal angeschrieben sind.
Es dauerte eine Ewigkeit ehe Andreas zurückkam. Er meinte, das wir Glück gehabt haben sonst wären die Plätze verfallen. Denn in Indien ist das wohl so, das wenn man Plätze reserviert, diese quasi nur vorgemerkt sind, obwohl man aber schon bezahlt hat und man am Bahnhof erst nochmal vorstellig werden muss oder in so ein antiquiertes Terminal die Buchungsnummer eintippen muss, um somit die Reservierung fix zumachen. Gut hatten wir das auch geklärt.
Pünktlich mit Verspätung ist der Zug dann um 11:40 in den Bahnhof eingefahren und die Panik bei den Passagieren der zweiten und dritten Klasse brach aus. Zweite Klasse ohne Reservierung ist in Indien mit einer der beliebtesten Tarife und somit immer heiss umkämpft. Der Zug hatte eine indische Standardlänge von 40 Waggons (gezählt) mit einer für mein Gefühl winzigen E-Lok, welche nur die halbe Länge eines Waggons hatte.

Auf nach Goa

Unten kann man normal sitzen und darüber sind diese einfachen Betten aufgehängt.Schlafen unterm DachIm Zug angekommen mussten wir dann erstmal feststellen, das wir die obenliegenden Bettplätze statt der unteren Sitzplätze hatten, was insofern blöd war, weil die Betten unter dem Waggondach untergebracht sind, keine Fenster hatten und es war so eine quengelnde Kackbratze eins weiter natürlich auch mit von der Partie. Wir haben uns dann erstmal unten hingesetzt und da sassen wir auch einige Zeit alleine. Als wir so die Welt draussen vorbei ziehen sehen haben, meinte Andreas, das hier ziemlich viel verbrand wird und in der Tat, draussen war alles verqualmt. Der Qualm sah komisch aus, so komisch dezentral aber habe mir nichts weiter bei gedacht, da es hier in Indien alltäglich ist Müll zu verbrennen.

Die Lok

Irgendwie viel mir allerdings am Gegengleis auf, das hier die Oberleitung fehlte, und somit war mit klar, warum ich den Qualm komisch fand. Der kommt nicht von Müllverbrennung, denn dieser Qualm hat immer eine Richtung, sondern von uns. Der Sache bin ich nachgegangen und habe eine Waggontür aufgemacht, das ist in Indien möglich, da die Türen nicht automatisch verriegelt werden. Geiles Feeling wenn man sich so in die Türe eines fahrenden Zuges hängt. Das war nicht wie man meinen könnte eine Dampflok, sondern eine Diesellok beim Beschleunigen.Indische DiesellokAlso schaute ich Richtung Lok und haben ein fauchendes Monster vorne gehört aber vor Qualm nicht mehr gesehen, so dachte ich erst, cool da ist eine Dampflok vorne. Aber für die langsame Geschwindigkeit, war das Zischen ungewöhnlich schnell.
Das Gleis machte eine Kurve und ich sah eine gewaltig in die Jahre gekomme Diesellok ächzend, fauchend und zischend aus dem Nebel fahren und dann war die Langsamfahrstrecke wohl zu ende. Der Lokführer musste der alten Lady wohl den Befehl zum Beschleunigen gegeben haben, was diese mit einer Salve von Fehlzündungen und weissen Extraqualm quittiert hatte, aber sie wurde schneller. Die Dame hatte was auf dem Kasten, denn kurze Zeit später, hatten wir gute 90 km/h drauf, gemessen durch GPS.
Bei der nächsten Haltestelle bin ich dann vielen Waggons entlang zur Lok gegangen um ein Foto zu machen. Hmm ja der Zustand der Lok war grauenhaft, selbst im Standgas konnte sie keine 10 Zündungen ohne eine Fehlzündung machen und der Rost nagte genauso wie der Zahn der Zeit an der alten Dame. Das ist das qualmende Monster aus der NäheIndische DiesellokIn deinem früheren Leben warst du bestimmt mal eine tolle Dampflok. Ich stand da und sah mir die Lok so an, als der Lokführer hupte, das Signal für Abfahrt, shit, ich rannte los und da setzte sie sich auch schon in Bewegung und ich hatte noch fünf Waggons, also stieg ich in die nächste Tür ein und stand im Gepäckabteil, ich wieder aus dem noch langsam fahrenden Zug raus und weiter nach hinten, als mir eine Gruppe Inder den Weg versperrte. Also rannte ich zur nächsten Türe, die war verschlossen, ebenso die nächste Türe die vorbeifuhr, also rannte ich zwischen Zug und Bahnsteigkarte weiter zurück, der nun echt fahrt aufnahm. An der nächsten Türe griff ich bloss noch den Handlauf und der Zug riss mich mit einem schmerzhaften Ruck mit und den Ruck ausnutzend schwang ich mich ins Abteil. Hops das war jetzt wirklich knapp. Ich will mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn ich den Handlauf nicht mehr zu fassen bekommen hätte, denn ein aufsteigen wäre dann wohl nicht mehr möglich gewesen.
Da der Zug keinen Speisewagen hat, florierte das Geschäft mit Snacks welche Händler im Zug verkauften, es gab Sandwiches, Chai Tee und Chai coffee, ganze Menüs in Aluschalen, Chipstüten, Softdrinks und Teigfladen. Alle 10 Minuten kam ein anderer, besonders emsig waren die Chai Verkäufer, in 20 Minuten waren's 12. Ein beliebter Snack in Südindien, bestehend aus Kichererbsen und verschiedenen GewürzenParuppu vadaWir griffen bei Linsenfladen mit Ketschup zu. War eigentlich ganz lecker und hatte eine angenehme Schärfe. Srini meinte per whats app, das es Paruppu vada war. Ich glaube der Verkäufe nannte es auch so.
Den Müll wollte in einen Mülleimer werfen, fand aber nicht gleich einen. Nach etwas suchen wurde ich meinen Müll los und wenig später nahm ein Mitarbeiter selbigen Mülleimer, öffnet die Waggontür und leerte den Müll nach draussen. Super, warum hab ich mir jetzt die Mühe gemacht?
In Kozhikode sind dann die eigentlichen Besitzer der unteren Plätze zugestiegen und als es zum Dämmern begann, forderten sie ihre Plätze ein. Naja wir sind dann auf die Betten ausgewichen. Kaum hatten wir die Augen zu, drehte dieses Balg auf. Andreas meinte trocken, das er mit mir deswegen nicht mehr wegfahren würde. Das passiere ihm immer nur mit mir. Ich verdrehte die Augen und stopfte mir meine Ohrhörer in die Ohren.
Ansonsten verlief die weitere Fahrt ereignislos.
Bis auf die Tatsache das die Toiletten in der reservierten Klasse um einiges sauberer waren und kaum gerochen haben, vergleichbar mit unseren alten Zugplumpstoiletten. Es macht nur etwas Mühe das Runde zu treffen, wenn der Zug 27m/s (97km/h) auf indischen Schienen macht und dir ein Ventilator mit voller Kraft in den Schritt bläst. Desweiteren sind zwischendurch immer wieder Mitarbeiter mit einem Schrupper und Lappen durch, anders wie beim Zug Tags zuvor wo alles schmutzig war, und haben den Boden sauber gemacht. Einmal sind sie durchgelaufen und haben ein Raumspray verteilt. Klasse, die Hälfte hatte das Husten angefangen, aber es roch sehr frisch danach.

No Gallery availableNo movie available
Please write a comment